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Lotsenstationsschiffe

Ein herausragendes Projekt für die BAW K4 (Bundesanstalt für Wasserbau, Referat K4 Schiffstechnik, Hamburg) ist derzeit zweifellos die Baubegleitung und Bauaufsicht über den Bau und die betriebsfertige Lieferung zweier Lotsenstationsschiffe in SWATH (Small Waterplane Area Twin Hull) Bauweise bei der Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft AG in Lemwerder. Bei diesen Neubauten handelt es sich um Wasserfahrzeuge für den Einsatz als schwimmende Lotsenstation (Lotsenstationsschiffe) für den ganzjährigen Einsatz in der Deutschen Bucht.

Sie werden die jetzigen ersatzbedürftigen über 40 Jahre alten Stationsschiffe (KOMMODORE RUSER; GOTTHILF HAGEN; KAPITÄN KÖNIG) ablösen und sollen die vorhandenen Systeme, bestehend aus dem SWATH - Stationsschiff HANSE und den SWATH - Versetztender DÖSE, DUHNEN und WANGEROOG und BORKUM ergänzen.

Im Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung des Projektes im Juli 2006 hatte sich Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft AG in Lemwerder nach erfolgreichem Wettbewerb durchgesetzt und erhielt im April 2007 von der BAW K4 den Auftrag über den Bau und die betriebsfertige Lieferung der beiden Neubauten für die Wasser- und Schifffahrtsdirektionen Nord (Kiel) und Nordwest (Aurich).

Der Bau der Schiffe erfolgt nach den Klassifikationsvorschriften des Germanischen Lloyd. Bei einer Länge über alles von 60,40 m, einer Breite auf Spanten von 24,00 m und einer Seitenhöhe von 11,33 m haben die Lotsenstationsschiffe einen Konstruktionstiefgang von 6,00 m und erreichen eine maximale Geschwindigkeit von 13 kn. Der Antrieb der Schiffe erfolgt dieselelektrisch, ausgeführt als Doppelwellenanlage. Die beiden Festpropeller werden angetrieben über zwei elektrische Fahrmotoren und Untersetzungsgetriebe. Hochleistungsflossenruder und ein Bugstrahlruder garantieren die geforderten guten Manövriereigenschaften. Zur Sicherstellung hervorragender Fahreigenschaften sind die Schiffe mit zwei steuerbaren Stabilisierungsflossen im Vorschiff und zwei fest installierten Stabilisierungsflossen im Hinterschiff ausgerüstet.

Die Lotsenstationsschiffe werden mit einer Besatzung von 20 Mann betrieben, hinzu kommen die für den bordseitigen Lotsbetrieb notwendigen Servicekräfte wie Köche und Stewards sowie die für den Betrieb der Versetztender notwendigen Tenderbesatzungen. Den Besatzungsmitgliedern stehen insgesamt 34 Einzelkammern zur Verfügung. Den Lotsen stehen darüber hinaus insgesamt 25 Kammern zur Verfügung, die für eine Doppelbelegung ausgestattet sind.

Neben den umfangreichen Räumlichkeiten zur Unterbringung der im Versetzdienst tätigen Lotsen verfügen die Lotsenstationsschiffe über jeweils zwei an Bord mitgeführte Versetzboote. Die hier zum Einsatz kommenden Versetzboote basieren auf einem besonderen Bootskonzept, dem sogenannten ORCA Design, welches sich im Einsatz bei den französischen Lotsen als sehr erfolgreich erwiesen hat. Das besondere an diesem Bootskonzept ist die Liniengestaltung des Unterwasser-/ Vorschiffes. Mit dieser besonderen Form wird im Zusammenspiel mit entsprechenden, am Heck des Bootes angeordneten Trimmklappen eine stabilisierende Fahrt mit reduzierten Seegangseinflüssen, insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten erreicht. Die Boote für den speziellen Einsatz im Revier der Deutschen Bucht wurden in enger Abstimmung zwischen dem Auftragnehmer Abeking & Rasmussen, den beteiligten französischen Firmen Pantocarene Naval Architects (Schiffbaulicher Entwurf und Konstruktion) und Shipyard Bernard S.A. (Bau der Schiffe), der BAW K4 und den zuständigen Lotsbetriebsvereinen Cuxhaven und Bremerhaven entwickelt. Die Geschwindigkeit der Versetzboote beträgt 16 kn bei 80% MCR (Maximum Continuous Rating). Die Versetzboote sind als unsinkbar (bei Flutung einer Abteilung) und im Kenterfall mit Wiederaufrichtfunktion konzipiert.

Ausgesetzt werden die Versetzboote über entsprechende, sowohl an Steuerbord als auch Backbord angeordnete Einpunkt- Aussetzvorrichtungen, sogenannte Davitanlagen. Im Zusammenspiel mit einer zum System gehörenden Vorleine, die das in der Einpunktaufhängung befindliche Versetzboot stabilisiert, wird ein sicherer Aus- und Einholvorgang für Besatzung und Lotsen gewährleistet. Eine Seegangsfolgefunktion sowie zusätzliche Dämpfungseinrichtungen der Seilführung zur weiteren Reduzierung von Stößen im Betrieb sind ebenfalls vorhanden.

Planung und Bau der Lotsenstationsschiffe, einschließlich der zugehörigen Versetzboote stellen hohe Anforderungen an alle mit der Abwicklung dieses Auftrages Beteiligten. Besonders hervorzuheben ist der hohe Vorkoordinierungsgrad der gesamten schiffbaulichen und systembezogenen Planungen, was auch die frühzeitige Einbindung der Bauaufsicht, einschließlich der Betreiber in den technischen Planungsprozess erforderlich macht. Der hohe Vorkoordinierungsgrad mit klarer Definition der jeweiligen Schnittstellen wiederum ermöglichte im weiteren Fertigungsprozess eine nahezu parallele Fertigung von schiffbaulichen Sektionen an verschiedenen Fertigungsstätten innerhalb und außerhalb Deutschlands. Zur Sicherstellung der hierfür erforderlichen Bauaufsicht war eine enge Zusammenarbeit mit den jeweiligen Lotsbetriebsvereinen sowie eine temporäre personelle Verstärkung auf Seiten der BAW K4 unabdingbar.

Für die Werft handelt es sich bereits um die 9. bzw. 10. seegangsberuhigte SWATH@A&R Plattform.

Die Fertigstellungstermine der beiden Neubauten sind aktuell für das 4. Quartal 2009 sowie das 2. Quartal 2010 geplant.