Langzeit-Schifffahrtsbeobachtung am Wesel-Datteln-Kanal (WDK)
2007 wurde über einen Zeitraum von 14 Tagen eine Verkehrsbeobachtung am Wesel-Datteln-Kanal (WDK) bei Dorsten durchgeführt. Ziel war es, alle Schiffspassagen zu registrieren und die zugehörigen maßgebenden Parameter für die hydraulischen Sohl- und Uferbelastungen zu ermitteln. Die erhobenen Messdaten werden u. a. zur Validierung und Optimierung von vorhandenen Berechnungsansätzen genutzt, die in der Deckwerksbemessungssoftware GBBSoft angewandt werden. Die Schiffsbeobachtung beinhaltete ein digitales Radarerfassungssystem zur Erfassung der Schiffsgeschwindigkeiten und Passierabstände, Druckmesssonden zur Aufnahme der schiffserzeugten Wasserspiegelauslenkungen sowie Geschwindigkeitssonden an Ufer und Sohle zur Bestimmung der Strömungsgeschwindigkeiten.
Eine Erkenntnis des Naturversuchs war, dass die zulässigen Schiffsgeschwindigkeiten für leer und voll fahrende Güterschiffe von 12 km/h bzw. 10 km/h schon im Mittel bei Leerfahrern überschritten und bei abgeladenen Schiffen erreicht wurden. Bei dieser Schiffsbeobachtung fuhr insgesamt die Hälfte der registrierten Schiffe über der jeweilig erlaubten Schiffsgeschwindigkeit (Bild 1). Dies bestärkt die Empfehlung in den 'Grundlagen zur Bemessung von Böschungs- und Sohlensicherungen an Binnenwasserstraßen (GBB)', die Deckwerke an Binnenwasserstraßen auf 97 % der kritischen Schiffsgeschwindigkeit zu bemessen.
Ein weiterer Aspekt der Verkehrsbeobachtung war der Vergleich der gemessenen Wellenhöhen und Rückstromgeschwindigkeiten mit den in GBBSoft berechneten Werten. Im Bild 2 ist beispielhaft ein mit einer Drucksonde aufgezeichnetes Wellenereignis durch ein vorbeifahrendes Großmotorgüterschiff dargestellt. Man erkennt die Ausbildung des Primär- und des Sekundärwellensystems und die abgelesenen charakteristischen Bug- und Heckwellenhöhen. Beim Vergleich der Messdatensätze mit den berechneten Werten bestätigte sich zum Beispiel für die Heckwellenhöhe das Bemessungskonzept des GBB, das die Abbildung eines ‚worst case'-Falls vorsieht. Wie im Bild 3 zu sehen, sind die berechneten Heckwellenhöhen auf der y-Achse grundsätzlich größer als die Messwerte und liegen für die Bemessung auf der sicheren Seite.
Zur weiteren Verwendung gehen die Messdaten aus dieser Verkehrsbeobachtung ebenso wie diverse andere Natur- und Modellversuchsdaten in eine Datenbank ein, die für vielfältige Vergleichsrechnungen herangezogen werden kann.
Literatur
BAW 2004: Grundlagen zur Bemessung von Böschungs- und Sohlensicherungen an Binnenwasserstraßen, Mitteilungsblatt Nr. 87, Eigenverlag, Karlsruhe 2004
