BAW-Messprogramme an der Ems

Das Emsästuar zwischen der Nordsee und der Tidegrenze ist ein Problemfall. Überwiegend durch den Menschen verursachte Einflüsse haben in den letzten Jahrzehnten zu einem verstärkten Eintrag von Sedimenten geführt. Dadurch bilden sich in der Unterems Flüssigschlick-Schichten mit einer Dicke von bis zu mehreren Metern, sogenannter „fluid mud“. Der heutige Zustand der Ems ist sowohl unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Unterhaltung der Seeschifffahrtsstraße als auch aus ökologischer Sicht als kritisch zu bewerten. Deshalb haben der Bund, das Land Niedersachsen, Landkreise, Unternehmen und Umweltverbände unter dem Titel „Ems2050“ vertraglich vereinbart, bis 2050 Maßnahmen für einen „schiffbaren und lebendigen Fluss“ umzusetzen. Da Teile der Ems und der sich anschließenden Meeresbucht Dollart auf niederländischem Staatsgebiet liegen, gibt es dort eine vergleichbare Initiative.

Experten der BAW beteiligen sich teilweise federführend in verschiedenen Kooperationen an der Erarbeitung langfristiger Strategien zur Lösung dieses „Schlickproblems“. Hierzu wurden in den letzten Jahren u. a. umfangreiche Messprogramme durchgeführt. So steht die Ursachenforschung für den enorm hohen Transport von Sedimenten und die Austauschprozesse mit der Dollart auf der Agenda des internationalen Verbundprojektes EDoM’18. Insgesamt haben sich 16 Universitäten, Institute und Behörden aus den Niederlanden, Belgien, UK, USA und Deutschland an zwei in ihrem Umfang einzigartigen Messkampagnen im Ems-Dollart-Gebiet beteiligt.

In einer weiteren Kooperation mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) arbeitet die BAW seit vielen Jahren an der Erforschung der physikalischen Eigenschaften und des Transportverhaltens von Flüssigschlick, so z. B. im derzeit laufenden Projekt „MudMeas“. Die Ergebnisse sind auch für die Entwicklung von numerischen Simulationsmodellen von großer Bedeutung, da die bekannten Gesetzmäßigkeiten von Wasser oder Boden bei Flüssigschlick versagen.